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Vitus und Bilhildis

Hinter dem Titel dieser Seite verbirgt sich keine tragische oder auch glückliche Liebesgeschichte. Nein, Vitus und Bilhildis sind einfach die beiden Ortsheiligen, die hier dafür stehen sollen, dass der Ausflugsort Veitshöchheim auch eine Vergangenheit hat. Weltoffen und gern besucht zeigt er sich schon seit frühester Zeit.

Die Ortsheilige Bilhildis

Bilhildis, die sich selbst Bilehildt nannte, ist eine der ersten namentlich bekannten „Höchheimer“ - damals noch ohne Veit - und stammte aus einer Adelsfamilie. Sie lebte in der Merowingerzeit und galt als vornehme, selbstbewusste und kluge Frau. Wie damals üblich, wurde sie außer Haus, in Würzburg 'in aller Gottseligkeit' erzogen. Nach dem Tod ihres Vaters wurde sie gegen ihren Willen mit dem heidnischen Frankenherzog Hedan verheiratet, vor dem sie bald zu einem Onkel nach Mainz flüchtete. Der Herzog fiel auf einem Heereszug, und fortan widmete sie ihr Leben dem Dienste Gottes, sorgte sich um die Armen, besonders aber um schwangere und kranke Frauen. Sie stiftete das Kloster Altmünster in Mainz, blieb bis zu ihrem Tod um 720 dort Äbtissin und vermachte dem Kloster ihre sämtlichen Güter, unter anderem Ländereien bei Margetshöchheim.

Die Gründung war sehr erfolgreich - das Kloster bestand fast 1100 Jahre - und Bilhildis wurde schon um 836 als Heilige verehrt. Seit dem 18. Jhd. ist Veitshöchheim zentraler Verehrungsort in Franken. Aus Mainz schickte man eine Büste der Heiligen mit Kirchenmodell - übrigens die originalgetreueste Nachbildung der dortigen Klosterkirche -, die auch eine Reliquie birgt. Die Büste steht heute in der St. Vitus-Kirche und wird alljährlich am Sonntag nach Christi Himmelfahrt in einer Prozession durch den Hofgarten getragen. Außerdem widmeten die Veitshöchheimer ihrer Ortsheiligen einen Altar und benannten einen Kindergarten und eine Straße nach ihr.

 

Der Heilige Vitus - Namensgeber Veitshöchheims

Der Heilige Vitus oder Veit stammte aus Sizilien und lebte in Süditalien, wo er um 304 wegen seines christlichen Gaubens sterben musste. Eines seiner Martyrien war das Eintauchen in einen Kessel mit siedendem Öl - und als betender Knabe im Kessel ist er auch schon seit dem Jahr 1563 im gemeindlichen Wappen dargestellt. Vitus ist einer der Vierzehn Nothelfer. Als „heil'ger Veit von Staffelstein“ - dort steht die Basilika Vierzehnheiligen - wird er explizit im Frankenlied genannt, sein bekanntestes Patrozinium ist der Veitsdom in Prag.

Unter anderem gilt Vitus auch als Schutzpatron der Winzer, vielleicht errichteten deshalb die Veitshöchheimer unter seinem Schutz im 12. Jahrhundert eine romanische Kirche . Man könnte ihn auch als frühen Förderer des Tourismus sehen: bereits um 1290 ist (immer noch nur) „Hoecheim“ als Wallfahrtsort belegt. Seit 1301 führt der Ort seinen Kirchenpatron dann auch im Namen: „Hoecheim ad sanctum Vitum“ heißt er jetzt. Die Pfarrkirche und eine Grundschule sind ebenfalls nach ihm benannt.

Bischofsmord und Königswahl: Was sonst noch geschah...

Veitshöchheim ist als „Hocheim“ erstmals im Jahr 1097 urkundlich belegt - deshalb fand 1997 eine große 900-Jahr-Feier statt. Besiedelt war es allerdings schon in vorchristlicher Zeit.

Mit einer eher unrühmlichen Aktion taucht der Ort ca. 100 Jahre später auf: Am 3. Dezember 1202 wurde der amtierende Würzburger Bischof Konrad von Querfurt von Bodo von Ravensburg und seinem Komplizen Heinrich von Falkenberg auf dem Weg zum Dom ermordet. Die Ravensburg, heute noch ein markanter Bergsporn am nördlichen Ende der Veitshöchheimer Weinberge mit herrlichem Ausblick ins Maintal, wurde daraufhin geschleift. Damit war es erst einmal vorbei mit einem Veitshöchheimer Adelssitz.

Dennoch wurde hier, vor den Toren Würzburgs, im Jahr 1246 ein deutscher König „gemacht“: eine Minderheit der deutschen Fürsten kam in Veitshöchheim zusammen und wählte Heinrich Raspe, seit 1241 Landgraf von Thüringen, zum Gegenkönig zu Kaiser Friedrich II. Sein Königtum blieb jedoch umstritten und endete schon ein Jahr später mit seinem Tod auf der Wartburg. Politikertreff ist Veitshöchheim auch heute wieder - seit 1987 kommen nahezu das gesamte bayerische Kabinett, aber auch einige Bundestagsabgeordnete in die Mainfrankensäle, um sich bei der „Fastnacht in Franken“ den Spiegel vorhalten zu lassen...

So wird man Ausflugsort

Aufgrund der Stadtnähe und seiner reizvollen Lage am Main, umgeben von Streuobstwiesen und mit Blick auf die Weinberge, zog es letztlich doch viele Adlige nach Veitshöchheim. Im 17. Jahrhundert entstand das Rheinsteinsche Schloss, das später zur Sommerresidenz der Würzburger Fürstbischöfe umgewandelt wurde. Der im Jahr 1779 fertiggestellte Rokokogarten war damals wie heute Anziehungspunkt und beliebtes Ausflugsziel. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts flanierte man bei einem Ausflug mit der Familie durch den Hofgarten Veitshöchheim. Es war dort viel geboten: Feste, Veranstaltungen und Gastronomie luden zum Verweilen ein.

Auch heute kann Veitshöchheim mit seinem breiten kulturellen Angebot und dem pittoresken Altort - der konsequenten Altortsanierung und insbesondere der Gestaltung der Mainuferpromenade sei Dank - punkten. Heute wie damals heißen wir die Gäste von Nah und Fern in unserer kleinen Gemeinde am Main herzlich willkommen!